Es ist 1996 und meine Freundin ist an der Südsee. Bräunt und erholt sich. Ich chill zu Hause und als ich das meinen Kumpels beichte, lachen die Guten nur und bemitleiden mich, um mein fehlendes Budget. Doch ich mach mir nichts daraus, Spaß muss sein und das Leben geht weiter. Meine Perle hat mich am Freitagmorgen verlassen und am Freitagabend wird gefeiert. Es geht auf eine Houseparty, in der Stadt. Bekannte Gesichter überall. Ich steh mit meinen Kameraden am Tisch, wir mischen uns Zaubertränke und beim Hochblicken seh ich die Augen, bei denen ich mir schon immer gewünscht habe, dass sie auf mich gerichtet sind. "Wow, schau dir diese Frau an.", rutscht mir aus Versehn die Begeisterung raus. Starr steh ich da, überrascht und gefesselt. Meine Freude ist mir selbst unerklärlich, doch ich muss sagen, dass es mir richtig gefällt. Meine gefesselten Blicke werden auch von den Kollegen bemerkt und negativ aufgenommen: "Schande, dazu bist du im Stande?", da werde ich auf einmal hellhörig und wende den Blick von der Schönen zum Biest. "Kaum ist deine Herzallerliebste aus dem Lande und du hängst, denkst längst an eine andere?!" - "Ja was? Soll ich den heulen? Ihr wisst, dass ich meiner Freundin treu bin. Ich bin brav! Aber... ich traf eben my first love!". Augenrollen und Schulternzucken vom besten Freund an meiner Seite. Ich kenn' das schöne Ding schon Jahre und in meinen Träumen in und auswendig. Was soll ich den machen? Auf sie war ich schon immer scharf und jetzt schenkt sie mir Aufmerksamkeit, schickt mir ungeahnte Blicke durchs Zimmer. "Oh mein Gott, was hat der Trottel gesagt?", der Kollege von links. Mich interessiert deren Gelaber nicht mehr, meine Gedanken haben sich so eben aufs Minimum beschränkt. Meinem Spaß. "What a pretty woman!" - "Das Glück ist mit den Dummen... ." Zeit vergeht und die Blicke werden geplanter, gezielter und aussagekräftiger. ... und ich werde unsicher. Ich brauche Rat! "Wenn ich die stummen Blicke schicke, sie wie Rummenigge kicke... meint ihr, checkt sie das?" - "Du bist durchschaubar wie Plexiglas!". Nach dem die Abgeordneten meines Rat-Bündnisses anfangen die Umgebung wieder wahr zu nehmen, warnt ein Mitglied plötzlich vor, "Uuuuh, sie kommt auf dich zu!" und ergreift mit dem Rest die Flucht. Mein Herz kriegt kurz einen Hüpfer, meine Knie - ganz kurz, ganz weich - und dann concentration please, Lady: "Na, Kleiner, hast du Bock auf Schweinereien?". 2,4 Sekunden nachdenken. Vernunft schaltet ein. Penis mischt mit. Erinnerungen an Freundin. Ficken? - "Ja klar, ähm nein, ich mein: Jein!"
Soll ichs wirklich machen oder lass ichs lieber sein?
Nach einer guten Nacht, will man auch gut nach Hause. Ich sitze im Taxi, getränkt mit Alkohol bis zum Anschlag. Frustsaufen. Der Taxifahrer erscheint mir ein guter Mann, ein guter Zuhörer. Die Fahrt wird verdammt lang, also wird dem guten Mann vom eigenen Leben und dem Grund für die Anwesenheit im gelben Partymobil, berichtet. "Ich habe einen Freund!", beginne ich. Türkischer Ratgeber und zuverlässiger Heimbringer: "Ein guter?" - "Sozusagen mein bester... und ich habe ein Problem: Ich steh auf seine Freundin!" - "Haha, nicht auf seine Schwester?" - "Würd ich auf die Schwester stehn', hätt ich nicht das Problem, das wir haben, wenn er und sie uuund ich uns sehn!". Scharfe Linkskurze, mir wird schlecht und ich unterdrücke das Kotzen mit Mühe. Taximan: "Entschuldige, geht es dir gut? Soll ich anhalten?" - "Nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein... DOCH!". Anhalten. Kotzen. 17 Minuten später, erneut im gelben Wagen. Taximan: "Besser? Alles in Ordnung?" - "Nun wirklich Chef, bringen sie mich bitte nach Hause!". Kaum war die Bitte ausgesprochen, ging es auch schon weiter. Taximan: "Nun, wie geht es weiter?" - "Achja!", erinnere ich mich plötzlich. Ich sammel die Gedanken und rede verträumt. "Nun, ... kommt sie in den Raum, wird mir schwindelig. Wenn ich sage, sie will nichts von mir, dann schwindel ich. Ich will sie, sie will mich! Das weiß sie, das weiß ich! Nur mein bester Freund... der weiß es nicht." - "Tschüüüüsch!" - "Und somit sitz ich sozusagen in der Zwickmühle und das ich auch der Grund, warum ich mich vom Schicksal so gefickt fühle!". Kurze Stille. Mein neuer Freund denkt nach, die Ampel schaltet auf gelb, das Fahrzeug wird langsamer, rot, steht. "Eine andere kommt nicht in Frage?", schlägt Taximan vor. "Nein... ich mein, warum hat er die schönste Frau zur Frau? Mit dem schönsten Körperbau!" - "Und ist sie schlau?" - "Genau!". Mich nimmt die ganze Sache so mit, mein Inneres zerreißt und ich fühl mich schlecht. "Manchmal flüstern mir Engelchen und Teufelchen zu. Teufel sagt: Nimm dir die Frau! Sie will es doch auch, kannst du mir erklären wofür man gute Freunde brauch? - Engel warnt: Halt, der will dich linken! Weißt du nicht das sowas scheiße ist und Lügner stinken?" - "Ah, die beiden streiten sich um dein Gewissen." - "Ja, und ob dus glaubst oder nicht, mir geht es echt beschissen!". Meine Straße ist erreicht, wenige Häuser weiter endet die Kommunikation. "Für was entscheidest du dich?", fragt mein neuer Kumpel beim abkassieren. Völlig konzentriert auf die vielen Münzen, die auf meinem Schoß und dem Sitz versteut sind, zappel ich herum und gebe hastig aus reiner Höflichkeit eine unüberlegte Antwort "Ich entscheide mich für ja, ... nein, ... ich mein: Jein!"
Soll ichs wirklich machen oder lass ichs lieber sein?
Kurz vor sieben und immer noch im Studio. Etwas lazy freu ich mich auf das Bett meines Mädchens. Da fragt eine Stimme von der Seite: "Hey Schiff, was hast du den heute Abend vor?" - "Hmmm.. ich mach hier nur noch meine Strophe fertig, pack meine sieben Sachen und dann werd ich mich zu meiner Freundin begeben. Denn wenn man ehrlich gesteht, sind solche netten, ruhigen Abende eher spärlich gesät.". Verdutzt ist der junge Bursche zu meiner Linken und zieht somit auch die Aufmerksamkeit meiner anderen Genossen auf mich. Da erklärt er: "Dabei bist du eingeladen, auf das Beste aller Feste, auf der Gästleliste eingetragen! Und wenn du nicht mitkommst, dann hast du echt etwas verpasst!". Dann ergänzt der, der an der Tür steht: ".. wen wundert's, das wird fast die Party des Jahrhunderts!". So geschmackvoll wie diese Party dargesellt wurde, überlege ich es mir doch nochmal. Ich packe und meine Genossen warten auf die Antwort. Freundin oder Party? "Lust hätte ich ja eigentlich schon.", antworte ich. Uuuund da klingelt das Telefon und eine süße vertraute Stimme erklingt: "Es wäre schön, wenn du bei mir bleibst heute Nacht.". Der Linke reagiert aufgebracht: "Ich dachte, das wäre abgemacht?!". Ertappt, doch was will ich tun? Natürlich will ich breit feiern, doch betäubt, sehr betäubt, bin ich auch von ihr und sie veranstaltet eine Party ganz für mich allein. Ich zucke die Schulter, Jungs.. kommt schon?! "Wisst ihr, ich liebe diese Frau und deswegen komm' ich von der Taufe in den Regen.". Meine letzten berühmten Worte, scheint es, doch es wären nicht meine Freunde wenn sie die Hoffnung nicht aufgeben würden. Texte einpacken. Kaffeekanne in die Tasche. Tasche zu. Mikro aus. Jacke an. Links: "Na, was ist denn nun, Schiffmeister, kommst du mit, du Kollegenschwein?". Baaam, der hat gesessen! Naja, die Jungs darf man nicht im Stich lassen und die Freundin wartet schon, oder? Nächste Party und heute zur Freundin? Bros before Hoes? Liebe vor Freundschaft? Da werde ich aus meinem verwirrenden Gedankengang geboxt, mit der Rechten direkt auf die Schulter. Da warten sie erwartungsvoll auf eine Antwort und ich nur ganz schnell: "Ja, ...äh, nein! Ich mein: Jein"
Soll ichs wirklich machen oder lass ichs lieber sein?
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